Making of Made to Last (Apple Outfit)
Ein Outfit ganz aus Äpfeln und Wolle — Erfahre mehr über den Prozess hinter der Modeskulptur aus Apfelleder, die in der Vanitas-Ausstellung im Museum LA8 in Baden-Baden zu sehen ist.
Ein Spiel mit Gegensätzen
Das Werk Made to Last (Apple Outfit) unterwandert durch seine zerbrechliche Materialität seinen Titel und die Idee der Haltbarkeit an sich. Der Titel ist ein Verweis auf den in der Werbung verwendeten Slogan, mit dem Produkte von der Fülle jener offensichtlich nicht auf Langlebigkeit ausgelegten Artikel abgehoben werden sollen, um damit qualitäts- und nachhaltigkeitsbewusste Kunden zum Konsum anzuregen. Aber warum ist auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht alles auf Langlebigkeit ausgelegt? Ironischerweise ist die Materialzusammensetzung der meisten Wegwerf-Konsumgüter (einschließlich Fast Fashion) tatsächlich darauf ausgelegt, in Form von Mikroplastik und giftigen Alltagschemikalien wie PFAS die Ewigkeit zu überdauern. Made to Last ist aus der Entscheidung heraus entstanden, der Ausstellung “Vanitas – Die Schönheit des Vergänglichen” eine biologisch abbaubare Modeskulptur aus Äpfeln beizusteuern, statt auf industrielles Apfelleder zu setzen, welches zu mindestens 50% aus Plastik-Rohstoffen besteht. Dabei orientiert sich das Design des Outfits an funktionellen Schnitten, deren Funktionalität jedoch durch das fragile Material aus dem sie geschneidert sind kontrastiert wird. Das Werk ist zudem Impulsgeber für eine weitläufigere Serie von Arbeiten, in denen mittels Apfelleder der Themenkomplex rundum Vanitas, Konsum und Natur aufgegriffen wird. Einige sind bereits fertiggestellt, andere befinden sich derzeit noch in Produktion, so etwa ein Video-Werk, das in Zeitlupe das Auflösen eines Apfelleder-Outfits im Regen dokumentiert.
Der Fertigungsprozess als Video
Hier ist eine Video-Dokumentation des Fertigungsprozesses vom Zuschnitt, über das vorsichtige Zusammennähen per Hand bis zur Platzierung im Museum LA8 zu sehen.
Entwürfe der Jacke, des Kleides und des Spiels mit Mehrlagigkeit.

Herstellung des Apfelleders
Um das Apfel-Biomaterial herzustellen, werden Äpfel mit geringem Zusatz von Zucker zunächst eingekocht. Durch Pürieren ergibt sich eine möglichst homogene Masse, die sich gleichmäßig zu einer glatten Fläche verteilen lässt. Ist das Apfelleder auf einer Glasplatte getrocknet, lässt es sich vorsichtig ablösen.


Die Arbeit mit Apfelleder erfordert ein kontinuierliches Verhandeln mit dessen Fragilität. Die ersten Nähtests bestätigten, dass es keinesfalls maschinell verarbeitet werden könnte, sondern manuell per Hand genäht werden muss. Werden Einstichstellen dabei zu nah am Rand platziert, kann die Naht ausreißen.
Material-Eigenschaften
Apfelleder hat eine leicht raue Textur, ist semi-transparent und daher lichtdurchlässig. Wie eine zweite Haut, erinnert es an die Überreste einer gehäuteten Schlange. Konturen und Details verschwimmen hinter seiner organischen Oberfläche. Das im Apfel enthaltene Pektin sorgt für die nötige Stabilität, um es in Form bringen zu können, dennoch erfordert das Arbeiten mit diesem Material Vorsicht und Geduld. Jede Unvollkommenheit – kleine Löcher die durch Luftblasen beim Trocknungsprozess entstanden sind oder Risse, an Stellen an denen das Material zu stark belastet wurde – zeugt von Zeit, Handarbeit und der Unausweichlichkeit des Zerfalls.
Anfertigung: Nähen per Hand
Das Rückenteil setzt sich aus kleinteiligen Fragmenten zusammen. Die Formen wurden aus denen eines Kerngehäuses entwickelt.

Die Stücke wurden mehrheitlich flach, im liegenden Zustand zusammengenäht, um die Struktur des Materials und die Nähte möglichst wenig bzw. nicht ungleichmäßig zu belasten. Sobald der Torso der Jacke soweit fertig war, dass sich das Gewicht der Weste auf der Puppe gleichmäßig verteilte, erleichterte die Dreidimensionalität das Annähen von Rundungen, wie etwa des Kragens oder der Ärmel.


Schnittkonstruktion
Das vollständige beleuchtete Apfelleder-Outfit besteht aus einem Kleid und einer Jacke. Das Kleid wurde für das Mannequin, auf dem sich das Outfit befindet, maßgeschneidert. Da es lediglich von einem Riemen am Hals gehalten wird – sich das Gewicht des Materials daher nicht auf den Schultern verteilen kann – ist der Schnitt so entwickelt, dass ein Großteil des Gewichts auf der Hüfte lastet und somit ein Reißen des Halsriemens vermieden wird. Da das Kleid flach ausgebreitet transportiert werden musste, wurde der Rock beim Aufbau der Ausstellung von Lary Rauh vor Ort mit einer Naht geschlossen.
Die Modeskulptur Made to Last (Apple Outfit) an ihrem Ausstellungsplatz im Museum LA8.
Licht- und Schattenspiel
Von innen heraus erleuchtet auf einem semi-transparenten Mannequin, wird die fragile Schönheit des Apfelleders akzentuiert: Lufteinschlüsse, Reste von Schale oder Kerngehäuse, sowie der sanfte Flaum der Nähte aus Mohairwolle. Getragen von einem menschlichen Körper führt das Apfelleder ein Schattenspiel herbei, legt sich wie eine Hautschicht um die TrägerInnen und verfremdet die Silhouette. Detailaufnahmen sind hier zu finden.
Weitere Facetten der Thematik
Decay – Sichtbarer Verfall
Für Decay, eine Iteration der Werkserie, wurde eine Apfelleder-Jacke im Wald von Lary Rauhs Heimatstadt im Schwarzwald ausgelegt und, um dessen Verfall zu dokumentieren, täglich von ihr fotografiert. Dies hebt die Materialeigenschaften hervor und verdeutlicht, was mit der Verwendung von synthetischem veganen Leder unmöglich gewesen wäre. Das tägliche Ritual, denselben Teil des Waldes aufzusuchen, wurde wiederholt bis sich die Jacke vollständig aufgelöst hatte. Die entstandenen Fotografien bilden eine Sequenz, die den Verfallsprozess visualisiert.

Made to Last (Apple Outfit) ist vom 28 März bis 20 September im Rahmen von “Vanitas – Die Schönheit des Vergänglichen” im Museum LA8 in Baden-Baden ausgestellt.
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